Zahnarzt in Auschwitz

Häftling 141129 berichtet

Jacobs, Benjamin

Baden-Baden: Deutscher Wissenschafts-Verlag (DWV) 2., unveränderte Auflage, 2004
Hardcover, 261 Seiten, 34 Abb. (Titel der amerikanischen Originalausgabe: The Dentist of Auschwitz. A Memoir). Aus dem Amerikanischen übersetzt von Birgitta Karle. Mit 15 Originalzeichnungen von Wolfgang Gerabek. Mit einem Vorwort von Wilhelm Schulz., 150 x 210 mm

19.90 €* (30,25 SFr)
ISBN: 978-3-935176-20-0

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Dieses Buch ist einzigartig unter den Holocaust-Memoiren. Es ist die Geschichte von Berek Jakubowicz (heute: Benjamin Jacobs), einem angehenden jüdischen Dentisten, der 1941 aus seinem polnischen Heimatort in ein Arbeitslager der Nazis deportiert wurde und bis in die letzten Kriegstage Gefangener des Deutschen Reiches blieb.

Per Viehwaggon oder Zwangsmarsch zwischen Arbeits- und Konzentrationslagern hin und her geschoben, war Jakubowicz unter anderem in Buchenwald und Dora-Mittelbau interniert, wo er und seine Mithäftlinge unter der Leitung von Wernher von Braun V1- und V2-Raketen montierten. Außerdem verbrachte er eineinhalb Jahre in Auschwitz, wo er dem berüchtigten Josef Mengele begegnete und den Tod seines Vaters miterleben mußte, nachdem dieser von einem Kapo zusammengeschlagen worden war.

Im Mai 1945 gehörte Jakubowicz zu jenen 15.000 Lagerinsassen, die auf einem Fußmarsch zur Lübecker Bucht getrieben und auf drei dort vor Anker liegende deutsche Ozeandampfer verfrachtet wurden, u.a. auf die Cap Arcona. Bei einer der erschütterndsten und am wenigsten bekannten Tragödien des Zweiten Weltkriegs wurden diese schwimmenden Konzentrationslager durch die britische Luftwaffe bombardiert und versenkt; nur 1.600 Gefangene überlebten.

Jacobs ist davon überzeugt, daß er sein Überleben in jenen vier von Greueln und Hunger geprägten Jahren dem Besitz einiger Dentalgeräte sowie rudimentärer Kenntnisse der Zahnmedizin verdankt. Die Nazis bedienten sich seiner Fähigkeiten, indem sie ihn zunächst die Zähne der Lagerinsassen, später die der SS-Offiziere behandeln ließen. In Auschwitz zwang man ihn sogar dazu, Leichen den Kiefer aufzubrechen, um Goldzähne und -füllungen zu entfernen.

Die Geschichte von Berek Jakubowicz ist mit Schlichtheit und großer Menschlichkeit geschildert. Die fesselnde Erzählweise, der Detailreichtum und der breite Erfahrungsschatz des Autors machen dieses Buch zu einer unverzichtbaren Quelle für das Studium des Holocaust.

Benjamin Jacobs lebte mit seiner Frau – ebenfalls einer Holocaust-Überlebenden – in Boston (USA). Er verstarb am 30. Januar 2004.

Dr. Wilhelm Schulz

Jacobs, Benjamin

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