Heilpflanzenkunde im Nationalsozialismus

Stand, Entwicklung und Einordnung im Rahmen der Neuen Deutschen Heilkunde

Schenk, Gunther

Baden-Baden: Deutscher Wissenschafts-Verlag (DWV) 1. Auflage, 2009
Broschur, 379 Seiten, 1 Farbabb., 150 x 210 mm

39.95 €* (69,90 SFr)
ISBN: 978-3-86888-006-9

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Die Heilpflanze eignete sich aus nationalsozialistischer Sicht in hohem Maße dafür, als Allegorie für die mit volksgesundheitlichen Zielen verwobenen ideologischen Bestrebungen nach einem rassereinen, aus Blut und Boden sich erhebenden, auf seine Selbstheilungs- und Selbstreinigungskräfte vertrauenden Volk zu stehen. Ferner stand die Heilpflanze auch dafür, wehrpolitisch Unabhängigkeit von der Einfuhr ausländischer Drogen durch Selbstversorgung zu erreichen, wirtschaftspolitisch durch Deviseneinsparung Handelsüberschüsse zu erzielen und sozialpolitisch durch Eröffnung von Beschäftigungsmöglichkeiten die anfänglich hohen Arbeitslosenzahlen zu senken.

Dieses Buch zeichnet die Förderung der Heilpflanzenkunde im nationalsozialistischen Staat seit den Anfängen nach: Zunächst handelte es sich um einen Versuch der Mobilisierung einer Volksbewegung unter Nutzung bereits bestehender regionaler Verbände und staatlicher bzw. halbstaatlicher Einrichtungen wie auch sich gründender Arbeitsgruppen in den verschiedenen gesellschaftlichen Gliederungen des „Dritten Reiches.

Dann erfolgte im Rahmen einer beginnenden Konsolidierungsphase die ordnungspolitische Aufgliederung und Zuweisung der verschiedenen Aufgaben im Anbau-, Sammel-, Verarbeitungs-, Forschungs- und Anwendungsbereich an zentrale, staatlich gelenkte Arbeitsgemeinschaften und Institutionen.

Schließlich wird die Bedeutung der Heilpflanzenkunde für kriegswirtschaftliche Notwendigkeiten und die entsprechenden Entwicklungen analysiert.

Die intensiven Förder- und Werbemaßnahmen mit Verwendung unterschiedlicher Medien und die Mobilisierung der relevanten gesellschaftlichen Gruppen wie Ärzte, Apotheker und Lehrer werden dargestellt.

Verglichen zur immer breiteren Verankerung der Heilpflanzenkunde in der Bevölkerung blieb die Entwicklung an den Hochschulen randständig, und notwendige Reformen unterblieben. Die Frage, inwieweit die Heilpflanzenkunde bzw. Pflanzenheilkunde in die bei der Etablierung der Neuen Deutschen Heilkunde maßgeblichen Strömungen eingeordnet werden kann, wird untersucht und bewertet.

Schenk, Gunther

Gunther Schenk, geb. 1955, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoanalyse; Studium der Medizin an den Universitäten Mainz und Würzburg; Approbation und Beginn des Doktorates am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg (Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. h. c. Gundolf Keil) 1984; psychiatrische und psychotherapeutische Weiterbildung an verschiedenen psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken sowie bei der Stuttgarter Weiterbildungsgruppe der DPG; kassenärztlich als ärztlicher Psychotherapeut und Psychoanalytiker seit 1998 niedergelassen; Veröffentlichungen über Fragen zur Übertragung und Gegenübertragung in Psychoanalyse und Konzentrativer Bewegungstherapie (Zschr. Psychoanalyse und Körper 12, 13, 14 [2008/2009]).

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