Erleben erwarten erinnern - Im Bermudadreieck der Zeit

Historiker und Literaten im Spannungsfeld von fließender und kreisender Zeit

Karl, Michael

Baden-Baden: Deutscher Wissenschafts-Verlag (DWV) 1. Aufl., 2018
Broschur, 53 Seiten, 148 x 210 mm

12.90 €* (16,95 SFr)
ISBN: 978-3-86888-129-5

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Wer schon viele Terminkalender im Regal stehen oder in der Schublade liegen hat, wird selten darin blättern und ist in unseren Tagen eher wenig geneigt, über das Vergehen der eigenen Lebenszeit anders als oberflächlich nachzudenken. Schließlich ist in einer von vernetzten Personalcomputern und digitalen Oberflächenreizen übervollen Gegenwart kein Mangel an Ablenkung. Fast schämen sich gerade älter werdende Männer, denen es ihr Leben lang an Beruf und Fitness nicht gemangelt hat, auch hierzulande, sich den Tribut einzugestehen, den die erfüllten Lebensjahre in der Form der gefüllten Terminkalender ihnen abgefordert hat. Ist auch Deutschland inzwischen zu einem Land geworden, auf das Cormac McCarthys Buchtitel passen würde – No Country for Old Men? Beim Ausloten solcher und anderer Fragen beruft sich der hier schreibende Essayist auf literarische und wissenschaftliche Referenzen aus verschiedenen Kontexten und stößt dabei auf einige Überraschungen, von denen nicht die geringste jene sein dürfte, dass es den Historikern bisher noch nicht gelungen ist, eine zuverlässige Theorie der Zeit zu entwickeln, ja dass sie diese Fragestellung vor nicht allzu langer Zeit erst für sich entdeckten. Der Gedankenspaziergang, der hier unternommen wird, hält sich zwar im Gelände eines eigentlich uferlosen Themas auf, beabsichtigt aber nicht, dieses topografisch zu erschließen oder fröhliche Wandersleut mit einer soliden Wanderkarte auszustatten. Dem homo viator einige subtile Geländehinweise mit auf seinen Weg zu geben, das wird hier allerdings schon beabsichtigt. Außerdem soll der Versuch unternommen werden, einigen Heroen der eigenen akademischen Ausbildung noch einmal in ihre Gefilde zu folgen, bevor ihnen der postmoderne und neoliberale Zeitgeist endgültig den Garaus macht. Eine Welt ohne Bücher und ohne so illustre Autoren wie Arno Borst, Aaron Gurjewitsch, Eric Hobsbawm, Johan Huizinga, Hans Robert Jauß, Uwe Johnson, Reinhart Koselleck, Jacques Le Goff, Thomas Mann, Hans Maier, Christian Meier, Thomas Nipperdey, August Nitschke, Gustav Seibt, Rolf Peter Sieferle, E. P. Thompson, Harald Weinrich u.a. verlässt man ja leichteren Herzens, als wenn Geistesgrößen dieses Kalibers (oder deren Nachfolger mit ähnlicher Kalibrierung in der nächsten Generation) im Tagesgeschäft zwischen Investment und technologischem Großprojekt noch irgend eine Rolle spielten. …

Karl, Michael

Der Autor Dr. phil. Michael Karl hat ein Lehramtsstudium der Fächer Geschichte, Politik und Deutsch absolviert und in einem DFG-Projekt „Verwaltung im Wandel“ über ein Beamtenthema promoviert. Er arbeitet als Deutsch- und Geschichtslehrer in der Ortenau.

Alle beim DWV erschienenen Titel:

Literaturwissenschaftler, Germanisten, Studenten, interessierte Laien

Kalenderforschung, zyklische Zeit, lineare Zeit, Kairos, Chronotop, Ende der Geschichte, autoritäre Zeitsysteme, inkarnatorische Zeitrechnung, Kohärenz, Tageszeitung, Leserbrief, Lebenszeit und Weltzeit, conditio humana, Längengrad, Naturzeit und Sinnlichkeit, Unbehagen in der Kultur, Erinnerung und Gedächtnis, Alltag und Festtag, Komputistik, Obsession und Hantise, Priesterherrschaft, Elfenbeinturm, Neoliberalismus und Postmoderne, Tradition versus Kompetenz, Homo caelestis, Konsumgesellschaft, Tier und Mensch, Uhren-Zeit, Fristen und Termine, Wartezeit